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Welche Materialien lassen keinen Schall durch?

Hast du schon mal nach “schalldichte Materialien” oder “schalldicht machen” im Internet gesucht? Dann bist du höchstwahrscheinlich auf eine der folgenden Dinge gestoßen:

  • Dir werden direkt irgendwelche Produkte aus Schaumstoff angezeigt (Noppenschaum, Pyramidenschaum etc.)
  • Jemand in einem Forum empfiehlt dir Schaumstoff an die Wand zu kleben
  • Im gleichen Forum schreibt jemand “Nur Masse hilft”.

Nun, was stimmt jetzt davon und was ist nutzlos?

Genau diese Antworten findest du hier. Außerdem erfährst du, warum du dir den Schaumstoff sparen kannst, welche Materialien tatsächlich für Schalldämmung sorgen und auch warum trotzdem so viele auf Schaumstoff schwören.

1. Woher kommt der Schall überhaupt?

Schall breitet sich dadurch aus, dass Teilchen in Schwingung versetzt werden. Das sieht in etwa so aus, wie ein Tropfen, der auf die Wasseroberfläche auftrifft. Der Wassertropfen ist in diesem Fall die Schallquelle. Beim Auftreffen auf die Oberfläche wird das Wasser in Bewegung versetzt und breitet sich wellenförmig wie in Abbildung 1 aus.

Erst wenn die Energie verbraucht ist, ebbt die Welle langsam ab und die Ausbreitung stoppt – es wird leise.

Abbildung 1: Wie ein Tropfen, der auf eine Wasseroberfläche auftrifft, breitet sich auch der Schall aus. Am Anfang sind die Wellen noch groß, werden aber mit größerem Abstand immer kleiner, da immer mehr Energie verbraucht wurde.

In ähnlicher Weise breitet sich auch der Schall in der Luft aus – mit einem entscheidenden Unterschied:

Der Schall kann auch in Festkörper wie z.B einer Betonwand eindringen und auch dort die winzigen Teilchen des Betons in Bewegung versetzen. Das wird dann als Körperschall bezeichnet.

Du siehst von diesen Bewegungen praktisch nichts, aber du kannst es hören, wenn der Schall auf der anderen Seite der Wand wieder hörbar wird (leider).

Die Luft wirkt übrigens wunderbar zur Schallausbreitung, weil dort viele Teilchen der Luft so frei beweglich sind und durch den Schall einfach in Bewegung versetzt werden können. Im Gegensatz dazu sind die Teilchen der Wand wesentlich fester gebunden und lassen sich daher auch viel schwerer in Bewegung setzen.

2. Welche Eigenschaften sorgen überhaupt für Schalldämmung?

Dichte / Masse

Nun, wie du schon in der Überschrift gelesen hast, ist das Stichwort hier Masse. Masse wird auch meist immer als bester Ratschlag gegen Schall ausgesprochen, aber Masse ist eigentlich nur die halbe Wahrheit.

Es ist nämlich sinnvoller von Dichte zu sprechen, weil die Dichte direkt mitangibt, von wie viel Material überhaupt die Rede ist. Dichte ist dabei nichts anderes als die Masse pro Volumen.

Nehmen wir als Beispiel Wasser. Wasser hat eine Dichte von 1000 kg pro m³. Also eine Regentonne, die 1 x 1 x 1m groß ist, wiegt ca. 1000 kg.

Warum dieses ganze Gerechne?

Angenommen du baust vor deiner Wand eine Trockenbauwand aus Gipskarton und stellst fest: Die Wand wiegt 500 kg. Jetzt kannst du natürlich sagen, dass eine Wand aus Holz mit 800 kg besser gegen Schall hilft. Das ist vom Prinzip her auch richtig, aber möchtest du nicht wissen, wie viel Platz die Wand einnimmt?

Ich finde es schon immer wichtig zu wissen von wie viel Volumen am Ende die Rede ist. Wenn die Gipskartonwand 10 cm von einer Seite meines Raumes beansprucht und 500 kg wiegt, ist mir das lieber als eine Holzwand mit 800 kg, die einen Meter in meinem Raum ragt.

Je höher die Dichte eines Materials, desto schwerer ist es und desto besser wirkt es gegen Schall.

Auch wenn die Dichte eines Materials der wichtigste Faktor bei der Schalldämmung ist, so gibt es noch einen weiteren sehr entscheidenden Faktor.

Entkopplung

Entkopplung kannst du dir so vorstellen wie eine Federung beim Auto. Das Rad ist nicht direkt mit dem Wagen verbunden, sondern über eine Feder. Dadurch wird die Bewegung des Rades vom restlichen Wagen getrennt bzw. entkoppelt.

Abbildung 2: Die Federung bei einem Auto sorgt für eine Art Trennung des Wagens vom Untergrund. So wird die Bewegung des Rades durch Schlaglöcher oder ähnliche Unebenheit entkoppelt. In ähnlicher Weise werden auch Materialien entkoppelt von der Umgebung verbaut, um die Bewegung durch den Schall "abzufedern".

Der „Trick“ bei der Schallentkopplung ist nun, dass eine möglichst große Masse (Material mit hoher Dichte = sehr schwer) so verbaut wird, dass diese nicht fest mit der Umgebung verbunden ist. Trifft nun der Schall auf diese Masse, passieren folgende Dinge:

  • Der Schall versetzt die Masse (z.B. in Form einer Trockenbauwand aus Gipskarton) in Bewegung. Das allein erfordert schon viel Energie.
  • Die Masse kann die Bewegung nicht einfach so an die Umgebung weitergeben, da sie beispielsweise durch eine Gummiunterlage abgefedert (entkoppelt) ist.

Wichtig hierbei ist, dass das entkoppelte Material auch eine entsprechende Dichte hat, also auch ein tatsächliches Hindernis für den Schall bietet. Ein Vorhang ist zwar auch gewissermaßen entkoppelt, aber einfach zu leicht, um wirklich schalldämmend zu sein.

3. Welche Produkte eignen sich nicht zur Schalldämmung?

Wenn du deinen Raum mit gewöhnlichen Schaumstoffen beklebst, tust du dir wirklich keinen Gefallen. Die Geräusche von draußen sind immer noch zu hören bzw. deine Geräusche gelangen trotzdem nach außen.

Alle herkömmlichen Schaumstoffen, wie Noppenschaum oder Pyramidenschaum helfen dir nicht dabei den Schall aufzuhalten.

Warum?

Wie zu Anfang erläutert, gibt es nur die zwei Materialeigenschaften, die den Schall effektiv aufhalten können – Masse und Entkopplung. Jetzt kannst du ja für dich feststellen, in weit Schaumstoffe diese Eigenschaften aufweisen.

Doch warum höre ich dennoch einen Unterschied mit Schaumstoffen an den Wänden? Warum empfehlen es viele?

Schaumstoffe sind dazu da, um die akustischen Eigenschaften in einem Raum zu verbessern. Daher werden sie auch häufig Akustikschaumstoffe genannt. Das hat leider nur sehr wenig mit der Schalldämmung zu tun. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Schalldämmung und dem Klang im Raum.

Raumakustik (Schalldämpfung) betrachtet ausschließlich den Klang in einem Raum, also unabhängig davon, ob Schall nach außen gelangt oder umgekehrt.

Bauakustik (Schalldämmung) hingegen beschäftigt sich ausschließlich damit, wie die Ausbreitung des Schalls von einem Raum zum anderen aufgehalten werden kann und welche baulichen Maßnahmen dabei helfen.

Das Problem mit den Schaumstoffen ist, dass sie rein physikalisch ausschließlich hohe Frequenzen beeinflussen können, weil ihnen schlicht die Masse bzw. Dichte fehlt um tiefere Frequenzen zu verändern.

Das Ergebnis ist, dass nur die hohen Töne deiner Stimme, Musik oder anderer Geräusche im Raum durch den Schaumstoff absorbiert werden. Es klingt tatsächlich leiser, aber halt nur innerhalb des Raumes.

Das Internet ist voll mit gut gemeinten Ratschlägen, wie du am besten den Schall dämmen kannst. Doch wie du aus den zuvor beschriebenen Erläuterungen gelernt hast, lässt sich die Physik nicht überlisten.

Du wirst keinen 20€ Schaumstoff an der Wand anbringen und damit irgendwelche Schalldämmungen erreichen. Das gilt auch für Vorhänge, Teppiche, Matratzen.

4. Welche Produkte eignen sich zur Schalldämmung?

Im Prinzip kannst du alles verwenden, was eine entsprechend hohe Dichte hat um den Schall zu dämmen. Am besten eignen sich die folgenden Produkte:

Gipskarton

Gipskartonplatten sind recht leicht zu verarbeiten, preislich auch im Rahmen und was noch viel wichtiger ist: Gips hat eine recht hohe Dichte, was ihn zu einem ausgezeichneten Schallisolator macht.

Des Weiteren können mit speziellen Metallrahmen und Aufhängungen die Gipskartonplatten entkoppelt von der Umgebung verbaut werden. Dadurch erhöht sich zusätzlich die Schallisolation.

Abbildung 3: Mithilfe von Gipskartonplatten können ganze Wände recht unkompliziert gezogen werden, die Schall besonders gut dämmen. Der Grund dafür ist die verhältnismäßig hohe Dichte von Gips und die spezielle, entkoppelte Aufhängung der Platten an eine Metallkonstruktion.

Für den Fall, dass du jetzt nicht vorhast, besondere Trockenbau Maßnahmen in deiner Wohnung zu vollziehen, gibt es noch eine andere Möglichkeit.

Schwerschaum

Spezielle Matten aus Schwerschaum, die mit entsprechenden Rahmen im Raum fixiert werden können. Zwar bietet Schwerschaum nicht annähernd die gleichen Schalldämmwerte wie Gipskarton, ist aber  erheblich einfacher als Trockenbauwände aus Gips zu ziehen.

Abbildung 4: Selbstklebende Schwerschaum gibt es in unterschiedlichen Stärken und natürlich auch in unterschiedlichen Gewichten. Je dicker und schwerer, desto besser ist die Schalldämmung. Am besten können diese Matten dafür eingesetzt werden, wo Gipskarton oder andere eher starre Materialien ungeeignet sind, z.B. im Auto, an der Tür oder in Rollladenkästen.

Schwerfolie

Eine weitere Möglichkeit für etwas mehr Schalldämmung zu sorgen, sind Schwerfolien. Diese kannst auch zurechtschneiden und an der Tür anbringen. Meistens sind es nämlich Türen und Fenster, die den meisten Schall durchlassen und etwas mehr Masse an der Tür kann schon für etwas Abhilfe sorgen.

Schwerfolien gibt es in unterschiedlichen Variationen. Zu empfehlen sind zum einen Alubutyl, was auch gerne für die Schalldämmung innerhalb von Autos benutzt wird. Hier solltest du unbedingt auf scharfe Kanten beim Zuschneiden aufpassen und Handschuhe tragen.

  • Alubutyl (Dichte: ~ 1880 kg/m³, Preis: ~13,80 €/m²)
Abbildung 5: Schwerfolien aus Alubutyl eigenen sich ebenfalls zur Schalldämmung an Orten, wo du nicht viel Platz hast z.B. innerhalb von Autoverkleidungen oder an Türen. Durch ihre hohe Dichte können sie den Schall zu gewissen Teilen aufhalten und die Verarbeitung ist wesentlich einfacher als Holz- oder Gipskartonplatten zu verarbeiten.

Gummimatten

Noch ein bisschen komfortabler sind Bitumenmatten. Dort gibt es sogar selbstklebende Varianten, die doch eine recht ordentliche Dichte haben und für deine Verbesserung der Schallisolation sorgen.

Der große Nachteil ist halt, wie der Name schon sagt: Bitumen. Die Matten kannst du mit Sicherheit erst einmal eine Woche draußen “ablüften” lassen, da der Geruch schon sehr streng sein kann.

Abbildung 6: Selbstklebende Bitumenmatten haben eine relativ hohe Dichte und sind daher entsprechend schwer. Daher können sie wie auch Schwerfolien oder Schwerschaum dazu verwendet werden, den Schall zu dämmen.

Auch wenn selbstklebende Matten mit hoher Dichte (Alubutyl, Bitumen, Schwerschaum usw.) einen gewissen Effekt auf die Schalldämmung haben, solltest du keine Wunder erwarten. Effektive Schalldämmung, vor allem in den tiefen Frequenzen ist unglaublich aufwändig und somit auch sehr teuer.

5. Zusammenfassung

  • Schalldämmung wird hauptsächlich durch 2 Faktoren beeinflusst: Dichte und Entkopplung des Materials.
  • Leichte Materialien wie Schaumstoffe, Teppiche, Vorhänge etc. können den Schall nur schwer aufhalten sondern beeinflussen lediglich die Schalldämpfung (den Klang innerhalb des Raumes)
  • Schalldämpfung beschreibt die Methoden zur Verbesserung des Klanges im Raum und ist unabhängig davon, ob Schall von außen nach innen gelangt oder umgekehrt
  • Schalldämmung hingegen beeinflusst die Ausbreitung des Schalls von einem Ort zum anderen und ist somit immer von Schalldämpfung zu unterscheiden
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Hallo, ich bin David und schreibe hier über meine Experimente im Umgang mit Schall & Schallschutz. 🙂
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