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Kann Styropor Schall dämmen?

Styropor ist als hervorragender Wärmeisolator bekannt. Häufig sieht man, wie ganze Gebäude beim Bau damit verkleidet werden. Was gegen Wärme gut funktioniert, hilft doch auch gegen Schall, oder doch nicht?

Leider nein und es gibt auch noch einiges mehr, was du über Styropor wissen solltest, bevor du anfängst deine Wände mit Styropor zu verkleiden.

Warum das so ist und was du stattdessen zur Verbesserung der Schalldämmung tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

1. Was ist mit “Schall dämmen” gemeint?

Zuerst ist es wichtig festzuhalten, was überhaupt mit “Schall dämmen” gemeint ist. So eindeutig ist das Ganze nämlich überhaupt nicht. Es gibt zwei recht verschiedene Prinzipien zum Thema Schall.

Das wäre zuerst die Schalldämmung. Es geht darum, die Ausbreitung der Schallwelle von einem Punkt zum anderen zu reduzieren bzw. ganz aufzuhalten. Begriffe, die im Prinzip das gleiche meinen, sind Schallschutz, Schallisolation oder auch Bauakustik.

Ein simples Beispiel dafür ist ein Schallschutzfenster. Durch die spezielle Bauweise wird dabei der Lärm von draußen stark reduziert, also gedämmt.

Demgegenüber steht die Schalldämpfung. Bei der Schalldämpfung soll der Schall in einem bestimmten Bereich so verändert werden, dass der Klang möglichst gut ist. Dabei geht es nicht darum, ob der Schall diesen Bereich verlässt, sondern wie er sich im Raum selbst verhält. Daher spricht man hier auch von Raumakustik.

Ein gutes Beispiel sind Tonstudios, die mit speziellen Materialien verkleidet sind, um den gewünschten Sound für Aufnahmen zu erhalten und unerwünschte Eigenschaften wie z.B. Hallen im Raum zu vermeiden.

Welche Effekte Styropor nun auf die Schalldämmung und auf die Schalldämpfung im Einzelnen hat, erfährst du in den folgenden Absätzen. Zuvor soll es nur noch um Styropor an sich gehen, denn es gibt auch hier einige Unterschiede, die auch verschiedene Effekte auf den Schall haben.

2. Styropor ist nicht gleich Styropor?

Wusstest du, dass Styropor eigentlich nur ein Markenname ist? Styropor hat sich einfach als Alltagsbegriff für das Produkt durchgesetzt, ähnlich wie bei Tempo oder Oropax. Das liegt wohl auch am eigentlichen Namen für den Styropor Kunststoff.

Mit Styropor ist nämlich eigentlich expandiertes Polystyrol (EPS) gemeint. Außerdem gibt es es noch extrudiertes Polystyrol (XPS), was auch als Styrodur verkauft wird. Nachfolgend findest du eine kleine Gegenüberstellung.

Abbildung 1: Styropor - Expandiertes Polystyrol (EPS) mit einer Dichte von 15 - 30 kg/m³ [1]

Ohne jetzt auf die recht komplizierte Herstellung dieser Kunststoffe einzugehen, lässt sich festhalten: Styrodur (XPS) ist etwas kompakter und fester als Styropor (EPS) und somit auch etwas schwerer.

Abbildung 2: Styrodur - Extrudiertes Polystyrol (XPS) mit einer Dichte von 25 – 45 kg/m³ [2]

Wie schwer ein Stoff ist, also welche Dichte er besitzt, hat maßgeblichen Einfluss auf seine Fähigkeit den Schall zu dämmen. Wie genau das jetzt für Styropor gilt, erfährst du im nächsten Teil.

3. Wie gut dämmt Styropor den Schall wirklich?

Schall breitet sich wellenförmig im Raum aus und regt mit seiner Energie kleine Teilchen zum Schwingen an. Ist keine Energie mehr vorhanden, können keine Teilchen mehr in Schwingung versetzt werden und der Schall wird gestoppt.

Die Teilchen in der Luft lassen sich durch den Schall wunderbar in Schwingung versetzen, während die Teilchen einer massiven Wand aus Stahlbeton recht fest gebunden sind und der Schallwelle einen erhöhten Widerstand bieten. Stahlbeton ist besonders dicht, was dafür führt, dass er auch besonders schwer ist. 

Für die Schalldämmung lässt sich folgender Zusammenhang festhalten:

“Je höher die Dichte eines Materials, desto besser ist seine Schalldämmung.”

Wenn du mal eine Styroporplatte in der Hand hattest, wirst du jetzt sicherlich wissen, dass Styropor sehr leicht ist, also eine niedrige Dichte hat. Wie du auch oben im Vergleich siehst, liegen Styropor und auch Styrodur im Bereich von ca. 15 bis 45 kg/m³. Beton hat dazu eine Dichte von ca. 2000 kg/m³.  [3]

Was heißt das jetzt für Styropor als Schallschutz? Nun, genau das, was du wahrscheinlich schon vermuten würdest:

Weder Styropor noch Styrodur sind in irgendeiner Weise besonders schalldämmend. Durch ihre extrem geringe Dichte (was sie sehr leicht macht) haben sie dem Schall rein gar nichts entgegen zu setzen.

So viel zur Schalldämmung durch Styropor. Styropor kann aber tatsächlich den Schall in gewisser Weise verändern und noch dadurch noch andere Effekte zeigen. Was es damit auf sich hat, erfährst du im nächsten Teil.

4. Welche zusätzliche Effekte hat Styropor auf den Schall?

Um den Schall aufzuhalten, kannst du Styropor eindeutig vergessen. Das ist steht bereits fest. Dennoch wirst du eine Veränderung des Klanges im Raum feststellen, wenn du Styropor an den Wänden befestigst.

Warum ist das so und was macht Styropor mit dem Schall im Raum?

Schall breitet sich ja, wie zuvor schon beschrieben, wellenförmig im Raum aus und bringt alles auf seinem Weg ebenfalls in Schwingung. Die Schwingung des Schalls an sich ist aber alles andere als einheitlich.

Schall breitet sich mit unterschiedlichen Frequenzen aus. Zum Beispiel kann eine Schallwelle auf ihrem Weg in einer Sekunde eine einzige Schwingung durchlaufen. Dementsprechend breitet sie sich mit einer Schwingung pro Sekunde aus. Das nennt man dann 1 Hertz (kurz: Hz). Macht die Schallwelle 10 Schwingungen pro Sekunde, so breitet sie sich mit 10 Hz aus.

Was hat jetzt Styropor mit Frequenzen zu tun?

Nun, durch die poröse Beschaffenheit des Styropors werden die besonders hohen Frequenzen aufgenommen und absorbiert. Diese hohen Frequenzen werden schon mühelos durch die Wand des Raumes aufgehalten. Da macht Styropor vor der Wand nun wirklich keinen Unterschied zur Schalldämmung.

Der eigentliche Effekt von Styropor ist die Veränderung des Klanges im Raumes selbst. Styropor wirkt als Absorber bestimmter hoher Frequenzen im Raum. Diese Frequenzen werden nicht wieder durch die Wand in den Raum reflektiert, sondern im Styropor absorbiert.

Was hat Styropor an der Wand noch für Folgen?

Es breiten sich größtenteils nur noch die mittleren und tiefen Frequenzen im Raum aus, was das Klangbild recht unausgeglichen macht. Es klingt im Raum einfach “matschig”, denn du kannst auch nicht wirklich beeinflussen, welche Frequenzen vom Styropor absorbiert werden.

Das gleiche gilt übrigens auch für Styrodur, nur dass hier wieder andere Frequenzen beeinträchtigt werden und du ebenfalls keinerlei Kontrolle darüber hast, welche Frequenzen noch im Raum bleiben und welche nicht.

Hier kommen Produkte aus Schaumstoff, wie Noppenschaum oder Pyramidenschaum ins Spiel. Bei qualitativ hochwertigen Produkten ist angegeben und auch getestet, welche Frequenzen damit absorbiert werden können.

Abbildung 3: Styropor und Schaumstoff können zwar nicht effektiv den Schall dämmen, sorgen aber für eine gewisse Dämpfung des Schalls. Schaumstoff hat dabei den großen Vorteil, dass die Dämpfung kontrolliert werden kann.

Alles in allem ist Styropor und auch Styrodur durchaus in der Lage Schall innerhalb des Raumes zu verändern. Nur leider lässt sich dieser Effekt schwer kontrollieren und das Ergebnis ist nicht gerade optimal. Die hohen Frequenzen im Raum können meist absorbiert werden, mittlere und tiefe Frequenzen jedoch nicht.

5. Wo kann Styropor gegen Schall eingesetzt werden?

Wenn Styropor nicht wirksam den Schall aufhalten kann und außerdem auch nicht wirklich zur Verbesserung der Raumakustik führt, was könntest du dennoch mit Styropor erreichen?

Es gibt sehr wohl Einsatzgebiete von Styropor und auch Styrodur zur Schalldämmung. Dabei wird lediglich Material, was den Schall durch seine hohe Dichte aufhalten kann, einfach mit Styropor kombiniert.

Wie genau soll das funktionieren?

Ganz einfach: Es gibt noch einen weiteres Prinzip, welches die Schalldämmung verbessern kann. Ohne jetzt noch weiter in physikalische Abgründe abzutauchen, hier die Kurzfassung:

Die Schallwelle bringt ja die Materialien auf ihrem Weg zum Schwingen. Ist das Material jetzt besonders dicht (also schwer in Bewegung zu setzen) und dabei noch entkoppelt, braucht der Schall noch mehr Energie zum Durchdringen und die Schalldämmung wird erhöht.

Entkopplung beschreibt genau das, was der Begriff erahnen lässt. Der Stoff ist nicht starr oder fest an benachbarte Materialien gebunden. Somit kann die Energie auch nicht 1 zu 1 übertragen werden. Das folgenden Video hier illustriert dieses sogenannte “Masse-Feder-Masse Prinzip” sehr gut.

Wo du das für dich nutzen kannst?

Du kannst Styropor & Styrodur nutzen, um deinen Fußboden zu entkoppeln, also als Unterlage für einen zweiten Fußboden verwenden. Von Waschmaschinen kennst du wahrscheinlich diese Gummiunterlagen. Genau das gleiche kannst du auch mit Styropor bzw. Styrodur erreichen.

Abbildung 4: Eine Trittschalldämmung entkoppelt das Laminat vom darunter liegenden Fußboden und sorgt so für Schalldämmung. Der Dämmung allein kann den Luftschall zwar nicht aufhalten, aber verhindern, dass Körperschall durch das Laminat an den Fußboden übertragen wird.

Es gibt sicher noch weitere Einsatzmöglichkeiten für Styropor und Styrodur. Das Grundprinzip bleibt das immer gleich.

6. Welche Alternativen zu Styropor helfen gegen Schall?

Wenn du den Schall wirklich effektiv dämmen möchtest, dann reicht es leider nicht irgendetwas an den Wänden zu befestigen. Auch wenn es etwas enttäuschend sein mag – es gibt einfach keine kostengünstige Möglichkeit den Schall aufzuhalten. Das Problem sind die tiefen Frequenzen, die auch meterdicken Beton durchdringen können.

Nachfolgend habe ich 3 Alternativen zu Styropor aufgelistet, die du dennoch umsetzen kannst um zumindest eine Verbesserung der Schalldämmung zu erreichen.

Raumausstattung optimieren

Deine bereits vorhandenen Möbel im Raum bringen ja schon gewissen schalldämmende Eigenschaften mit. Daher kann es durchaus eine Verbesserung bringen, einen wuchtigen Schrank vor der Wand zu platzieren, durch die der Schall nicht gelangen soll.

Auch ein gefülltes Bücherregal kann gut funktionieren. Papier ist verhältnismäßig schwer und viele einzelne Bücher können mühelos in Zwischenräumen eines Regals platziert werden. Insgesamt kannst du dadurch eine recht ordentlich Barriere gegen Schall aufbauen.

Schallbrücken vermeiden

Schallbrücken sind Wege, die der Schall bevorzugt nimmt, weil der Widerstand dort besonders gering ist. Meistens ist die beste Schallbrücke die Luft selbst. Schon kleine Spalten an Türen und Fenster können die Schalldämmung deutlich verschlechtern.

Daher schaue zuerst, ob wirklich alles dicht verschlossen ist. Gummidichtungen zum selbst zuschneiden an Fenster und Türen sind recht günstig und bringen für die geringen Kosten schon eine gute Verbesserung. Außerdem helfen Zugluftstopper den Spalt unter der Tür einigermaßen gut abzudichten und natürlich sollte auch das Schlüsselloch nicht vergessen werden.

Abbildung 5: Durch Dichtungen und Zugluftstopper an der Tür kann verhindert werden, dass der Schall sich durch die Luft weiter ausbreiteten kann.

Schalldämmung durch Masse erhöhen

Wenn du etwas Budget einplanen kannst, solltest du über Maßnahmen im Trockenbau nachdenken. Eine zweite Wand aus Gipskarton ist mit das beste, was gegen Schall helfen kann. Das liegt an der hohen Dichte von Gips, die Entkopplung der Gipskartonplatten.

Hier gilt: Die Gipskartonplatten nicht direkt mit der Wand verbinden sondern immer durch Unterlage von Gummimatten und einer extra dafür vorgesehene Wandbefestigung montieren.

Abbildung 6: Gipskartonplatten auf einen Metallrahmen, der vom Boden und der Wand entkoppelt ist, bietet eine der besten Möglichkeiten um die Schalldämmung zu verbessern.

Im Grunde kannst du mit allen schweren Materialien, die Wände, Decken, Böden und sogar Türen verstärken. Gipskarton hat sich hier aufgrund der leichten Verarbeitung und guten Wirksamkeit einfach als Standard hervorgetan. Holzplatten können aber ebenso die Schalldämmung verbessern.

Auch Bitumenmatten oder Schwerfolien bieten eine Verbesserung der Schalldämmung. Damit können zum Beispiel Türen verstärkt werden ohne Bohren zu müssen. Allerdings hält sich auch hier der Effekt in Grenzen.

Abbildung 7: Selbstklebende Matten aus Bitumen oder Schwerschaum lassen sich einfach verarbeiten und bieten eine Verbesserung des Schallschutzes durch ihre Masse. Nachteil hierbei kann der Geruch sein.

7. Zusammenfassung

Eine wirksame Schalldämmung mit Styropor ist in keinem Fall möglich, weil Styropor durch seine geringe Dichte kaum einen Widerstand leisten kann. Vor allem die mittleren und tiefen Frequenzen des Schalls durchdringen Styropor ohne Probleme.

Styropor kann aber vor allem die hohen Frequenzen in einem Raum beeinflussen und somit die Raumakustik verändern. Leider ist dieser Effekt kaum zu kontrollieren und führt in den meisten Fällen zu einem unausgewogenen Klang, weil letztendlich mittlere und tiefe Frequenzen im Raum dominieren werden.

8. Quellen

[1] Informationen zu Styropor (EPS):  https://www.baunetzwissen.de/daemmstoffe/fachwissen/daemmstoffe/expandiertes-polystyrol-eps-152198

[2] Informationen zu Styrodur (XPS): https://www.baunetzwissen.de/daemmstoffe/fachwissen/daemmstoffe/extrudiertes-polystyrol-xps-152204

[3] Übersicht Dichte (Schwere) bekannter Stoffe: https://de.wikibooks.org/wiki/Tabellensammlung_Chemie/_Dichte_fester_Stoffe

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Hallo, ich bin David und schreibe hier über meine Experimente im Umgang mit Schall & Schallschutz. 🙂
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