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Sind Glastüren schalldicht?

Ein Raum mit vielen Glasflächen klingt immer etwas ungewohnt – es hallt, ähnlich wie in einem Badezimmer.

Durch die sehr glatte und vor allem harte Oberfläche von Glas wird der Schall einfach wieder zurück in dem Raum reflektiert. Der resultierende Hall vermittelt dann das Gefühl, es wäre im Raum lauter. Doch was sagt das darüber aus, wie schalldicht Glas bzw. Türen aus Glas wirklich sind?

Nun, Glas ist nicht gleich schlecht für die Schalldämmung, weil es sich innerhalb des Raumes lauter anhört. Der Klang innerhalb eines Raumes hat recht wenig damit zu tun, wie schalldicht der Raum bzw. eine Tür ist.

1. Welche Effekte hat Glas auf Schall?

Deine Wahrnehmung des Schalls wird nämlich durch die Schalldämpfung beeinflusst, was leider sehr häufig mit der Schalldämmung verwechselt. Bei Schalldämmung geht es immer darum, die Ausbreitung des Schalls auf angrenzende Räume zu reduzieren oder sogar ganz aufzuhalten. Dabei spricht man auch von Schallisolation oder “etwas schalldicht machen”.

Im Gegensatz dazu, gibt es die Schalldämpfung. Hierbei geht es darum, die Ausbreitung des Schalls innerhalb eines Raumes zu beeinflussen, um einen möglichst guten Sound im Raum zu erreichen.

Wenn du also wissen möchtest, wie schalldicht eine Glastür ist, ist der Klang im Raum erst einmal zweitrangig.

2. Was macht eine Glastür schalldicht?

Wenn du deine Tür schalldicht machen möchtest, dann ist dein Ziel mit Sicherheit, dass die Geräusche von draußen nicht mehr zu hören oder umgekehrt die Geräusche von drinnen nicht außerhalb des Raumes zu hören sind (Schalldämmung).

Eine wirkungsvolle Schalldämmung ist nur durch zwei Dinge zu erreichen:

Material der Tür

Vereinfacht gesagt, breitet sich Schall nur dadurch aus, dass Teilchen in Schwingung versetzt werden. Das kann in der Luft passieren (Luftschall) oder auch in festen Stoffen wie Beton (Körperschall).

Je schwerer sich die Teilchen bewegen lassen, desto besser wird der Schall aufgehalten bzw. gedämmt. Je dichter ein Stoff, desto schwerer lassen sich die Teilchen bewegen. Daher dämmt eine Betonwand den Schall besser als eine Holzwand.

Die Dichte der Glastür und damit ihre Schalldämmung ist wiederum anhängig von folgenden Faktoren:

  • Stärke der Glasscheibe:  8 mm – 12 mm
  • Art der Glasscheibe: Einscheibensicherheitsglas (ESG) oder Verbundsicherheitsglas (VSG)

Verbindungen der Tür

Wenn die Schallwelle auf eine Tür trifft, wird diese ebenfalls in Schwingung versetzt. Ist die Tür nicht fest mit der Umgebung verbunden, weil sie beispielsweise auf flexiblen Gummi liegt, wird die Schwingung sozusagen “abgefedert”.

Das wird auch als Entkopplung bezeichnet. Im Prinzip funktioniert das wie bei der Federung eines Autos, wenn es über ein Schlagloch fährt.

3. Glastür oder Holztür?

Da das Gewicht der Tür entscheidend für eine effektive Schalldämmung ist, erfährst du im Folgenden, wo eine Glastür im Vergleich zur herkömmlichen Holztür steht.

Abbildung 1: Es gibt recht unterschiedliche Arten von Türen. Hier sind die herkömmlichen Einscheibensicherheitsglas-Türen und Holztüren mit hohlem Kern abgebildet.

Wie schwer ist Glas im Vergleich zu Holz?

  • Sperrholz: ~ 500 kg/m³
  • Massivholz: ~ 700 kg/m³
  • Glas: ~ 2500 kg/m³ [1]

Wie du siehst, hat Glas eine 4 bis 5 mal höhere Dichte als Holz und ist, rein technisch gesehen, ein besserer Schallisolator. Praktisch sind die meisten Glasscheiben aber nur ca. 0,5 bis 1 cm dick, die meisten Holztüren hingegen 3 bis 5 cm.

Außerdem ist es entscheidend ob die Tür komplett aus massiven Holz besteht oder im Inneren hohl ist. Die meisten Türen im Innenbereich werden nicht aus massivem Holz gefertigt, sondern sind mit Wabeneinlagen aus Karton oder Röhrenspan gefüllt. Das verringert natürlich enorm das Gewicht der der Tür und ihre Wirkung auf die Schalldämmung.

Abbildung 2: Die meisten Türen aus Holz sind nicht aus massiven Holz gefertigt, sondern aus Spanplatten gefüllt mit Karton. Das macht die Tür zwar günstiger und leichter, aber auch schwächer gegenüber Schall.

Um dennoch etwas Licht ins Dunkeln zu bringen, ein Beispiel meiner eigenen Tür: Die Tür ist ein sehr häufig verbautes Exemplar mit Wabeneinlage und einer Furnier (Decklage) aus Holzimitat mit den Maßen 196 x 86 x 4 cm und wiegt ca. 16 kg. Somit hat die Tür nur eine Dichte von ca. 237 kg/m³.

Eine 1 cm starke Glastür der gleichen Größe würde ca. 42 kg wiegen. Für den Fall, dass ich eine Holztür aus Massivholz mit den gleichen Maßen einbauen würde, hätte die Tür eine Masse von etwa 47 kg.

Somit bietet rein materialtechnisch gesehen, eine Glastür sogar eine bessere Schalldämmung als eine Holztür mit Hohlraum im Inneren. Bei einer Massivholztür ist der Effekt auf die Schalldämmung jedoch ungefähr der gleiche wie bei einer Glastür.

Weder die ganz normale Holztür oder Glastür für Innen bieten einen besonders nennenswerte Schalldämmung im Vergleich zu den Wänden. Viel wichtiger ist daher nämlich, ob die Tür auch wirklich dicht mit dem Rahmen abschließt.

Schall breitet sich dann nämlich einfach durch diese Schwachstellen aus und nimmt quasi den Weg des geringsten Widerstands durch die Luft – direkt vorbei an der Tür.

Somit bringt selbst die beste Tür recht wenig, wenn du einen Spalt zwischen Tür und Rahmen hast (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Auch wenn einfach verglaste Türen durch ihre hohe Dichte eine recht gute Schalldämmung bewirken, sollten Spalten immer durch Dichtungen verschlossen werden. Viele Glastüren sind nicht luftdicht verschlossen (rechtes Bild), was die Schalldämmung erheblich reduziert.

4. Schallschutztüren aus Holz oder Glas?

Schallschutztüren gibt es sowohl aus Holz als auch aus Glas. Schallschutztüren aus Holz kosten ohne Zarge (Rahmen) ca. 200€ aufwärts und bieten Schalldämmwerte von bis zu 42 dB (unter Laborbedingungen). [2]

Schallschutztüren aus Glas bieten die gleiche Schalldämmung wie Schallschutztüren aus Holz, da durch DIN EN ISO 140-03 genau festgelegt ist, welcher Schallschutz durch bestimmte Baumaterialien gewährleistet werden soll.[3]

Abbildung 4: Schallschutztüren aus Glas werden häufig in Büros eingesetzt, weil sie wirkungsvoll Lärm von außen dämmen. Dabei ist die eigentliche Glasscheibe in einem Rahmen (meist Metall) mit zusätzlich Dichtungen.

5. Zusammenfassung

Alles in allem sind herkömmliche Glastüren in Hinsicht auf die Schalldämmung vergleichbar mit herkömmlichen Türen aus Massivholz. Holztüren mit einem Hohlraum dämmen den Schall allerdings etwas schlechter als Glastüren.

Die Schwachstelle um den Schall aufzuhalten, liegt aber meist nicht am Material der Tür, sondern in der luftdichten Isolierung. Die beste Schallschutztür ist quasi nutzlos sobald auch nur ein kleiner Spalt zwischen Tür und Zarge vorhanden ist.

Sowohl Schallschutztüren aus Holz als auch aus Glas sind nach auf ihre Schalldämmung genormt und daher je nach Schallschutzklasse identisch

6. Quellen

[1] Übersicht, wie schwer bestimmte Materialien sind: https://de.wikibooks.org/wiki/Tabellensammlung_Chemie/_Dichte_fester_Stoffe

[2] Online-Shop für Türen mit Informationen zu speziellen Schallschutzklassen: https://www.deinetuer.de/wiki/schallschutztueren

[3] Weiterführende Informationen zu Schallschutznormen bei Türen: https://www.lindner-group.com/de_DE/ausbauprodukte/tueren/schallschutztueren/typ-gtb-56/

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Hallo, ich bin David und schreibe hier über meine Experimente im Umgang mit Schall & Schallschutz. 🙂
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